ÜBER UNS:

Erinnerungen von Carlos Cardozo    (übersetzt von Dr. J. Mathew)

 

 

Wenn ich mich recht erinnere, traf ich Die Blumen das erste Mal im August 1979 auf einer Streuobstwiese im Zentrum von Amsterdam, während des jährlichen Schwarzbrennens von Gurkenschnaps. Einheimische hatten mich auf das Ritual aufmerksam gemacht. Schon damals ging von der noch losen Verbindung erstklassiger Künstler eine unfassbare Ausstrahlung aus und vor allem einten sie zwei große Leidenschaften: Die Vorliebe für selbstgebaute mittelalterliche Instrumente und die Liebe zur Polka. An diesem Abend habe ich sie das erste Mal gehört. Mit isländischen Texten analysierten sie das Problem der Kontinentalplattenverschiebung so feinfühlig, wie ich es nie zuvor vernommen hatte. Vergessen konnte ich diese einundzwanzig symphatischen Menschen nicht.

 

Im Mai 1982 traf ich sie das zweite Mal. Anläßlich der Europa-Präsentation meines Buches „Milch ist Salz“ wurde ich in Paris zu einer Lesung eingeladen und wir wohnten im selben Hotel. Vom tragischen Unfall zweier Musiker 1980 wußte ich nichts. Beim Transport einer Blues-Gambe klemmten sich beide die Finger und mußten ihre Karriere beenden. Bedingt dadurch, wechselten sie sowohl die Instrumente, als auch ihre Stilrichtung. Eine erfrischend neue Musikrichtung war das Ergebnis. Ich war einfach begeistert – sie hatten es geschafft, intelligente, fröhliche Texte mit erstklassigen, sehr eingängigen Melodien zu verknüpfen.

 

Anfang 1987 erhielt ich zuhause in Cochabamba unverhofft einen Anruf von ihnen. Sie befanden sich auf einer Südamerika-Tournee und hatten in Bolivien, unweit meiner Heimatstadt, ein paar Tage Pause zwischen den Auftritten. Ich hatte kurz zuvor die „Gegrilltes Opossum“ Bar übernommen und selbst wieder begonnen Lieder zu veröffentlichen. So freute ich mich sehr über das Angebot, mich zu besuchen und ein gemeinsames Konzert im „Gegrillten Opossum“ zu veranstalten. Obwohl wir unser Vorhaben nicht ankündigten, denn geplant war ein Abend im engeren Kreis, war der Publikumsandrang so groß, daß wir unseren Auftritt in den „Cochabamba Coctail Club“ verlegen mußten (meinem Freund Antonio Martinez, dem Eigentümer des CCC möchte ich nochmals für seine spontane Hilfe danken).

 

 

An diesem Abend spielten wir auch das erste Mal ein Lied, welches ich den Tag zuvor schrieb: „Oh, venga. No puede ser“. Als ich kurze Zeit später dieses Lied mit „La Revolucion“ aufnahm, konnte ich dessen weltweiten Erfolg noch nicht ahnen.

Am 28.02.1992 sahen wir uns kurz in Wien. Die Blumen hatten die Aufnahmen für ein Musik-Video in Rom zwei Tage lang ruhen lassen, um mich anläßlich meines Geburtstags zu besuchen. Es waren und sind eben echte Blumen.

 

1997 hatte ich endlich die Möglichkeit, auch ihnen einen Besuch abzustatten. Es war nicht einfach sie zu finden, denn sie lebten jetzt zurückgezogen an der finnischen Küste. Sie hatten es sich in den Kopf gesetzt, ein altes Flugzeug, einen Fokker-Dreidecker, nachzubauen. Während eines Rumänien-Aufenthalts erstanden sie einen Motor der Marke „Oberursel“ und kamen wohl so auf die Idee. Sie waren schon ein halbes Jahr an der Arbeit und waren „so gut wie fertig“. Jeder wollte zuerst fliegen. Das Leuchten in ihren Augen steckte auch mich an. Diese eingeschworene Gemeinschaft von eigenwilligen Charakteren zog mich einfach in ihren Bann. Es waren ja ein diplomierter Statiker und auch andere ausgezeichnete Wissentschaftlerinnen Mitglieder der Blumen, so fieberte ich auch dem Erstflug entgegen. Es kam nie dazu. Das „Flugzeug“ sah hübsch aus, war aber zum Fliegen wohl nicht geeignet. Die Startgeschwindigkeit entsprach etwa der eines Rasenmähers und ließ sich trotz aller Bemühungen auch kaum erhöhen. Als wir uns zwei Jahre später in Moskau trafen, gestanden sie mir, daß sie aus Kostengründen ohnehin kleine Details, wie ein Höhen- oder Seitenruder weggelassen hätten.

 

 

Es war alles fest verschweißt. Wie auch die Räder. Sie hatten all ihr Geld in dieses unsinnige Projekt gesteckt, aber sie lachten den ganzen Abend herzlich darüber. Die Blumen hatten schon immer eine sehr eigenwillige Einstellung zum Leben – und stritten sich immer noch darum, wer beim nächsten Versuch zuerst fliegen darf.

Im Herbst 2001 begegneten wir uns in London anläßlich der Vergabe des „Golden Jack“ wieder. Sie hatten sich mittlerweile in Großbritannien niedergelassen und gewannen in der Kategorie „Beste Band/National“, ich bekam einen „Golden Jack“ für mein Album „Exacto, esa es“. Sie hatten also wieder einmal gewonnen – und nicht irgendeinen Preis! Ich kannte Die Blumen jetzt schon so lange, doch daß sie es stets schafften, in ihren ständig welchselnden Gastländern in der jeweiligen Sprache so erfolgreich zu sein, imponierte mir doch sehr.

 

Leider führten uns unsere Wege, beruflich bedingt, erst im Mai 2004 in München wieder zusammen. Die Blumen, wie auch ich, hatten Aufnahmetermine in den Cortez Studios. So arbeiteten wir, wenn auch getrennt, fünf Wochen lang „Tür-an-Tür“. In den kurzen Pausen in denen wir uns sahen, keimte die Idee auf, gemeinsam ein Stück zu schreiben. Da Die Blumen die Studiozeit sehr großzügig geplant hatten und auch ich wider Erwartens schon ein paar Tage früher mit meiner Produktion fertig wurde, nutzen wir die Zeit, um zwei Lieder aufzunehmen. So entstand die Single „Nice!“ mit „Banana Tree“ als B-Seite. Da Die Blumen aber bei „Rabbit Ltd.“ unter Vertrag standen, ich jedoch bei „Cortez Productions“, dauerte es bis 2005 bis die Single (in limitierter Auflage) bei „Cortez“ veröffentlicht wurde. Der Verweis auf die Blumen wurde aus rechtlichen Gründen weggelassen, stattdessen war auf dem Cover „Carlos Cardozo y la Revolucion“ angegeben. Ich war entsetzt, doch ändern konnten wir nichts mehr. Verrücktes Musikgeschäft!

 

 

Die Blumen blieben in Deutschland und kauften ein Anwesen in der Nähe von Hannover. Sie begannen, jetzt mit deutschen Texten, einen völlig neuen Weg einzuschlagen. Im Laufe der Zeit hatte ich mir abgewöhnt, mich über Die Blumen noch zu wundern. Es gibt Bands, die etwas „versuchen“, Die Blumen „machen“ es.

Im Jahre 2007 schickten mir Die Blumen eine Vorab-Version ihres neuen Albums. Ich war begeistert! Sehr schmeichelte mir auch, daß „Nice!“ und „Banana Tree“ ebenfalls für die Pressung vorgesehen waren. Die Single war schon lange vergriffen, doch „Cortez“ war an einer Neuauflage nicht interessiert. So hatten Die Blumen die Rechte kurzerhand erworben.

Ich kann mich glücklich schätzen, daß meine Bücher, wie auch Tonträger, bei meinem Publikum gut aufgenommen werden, doch daß ich (wenn auch als Gast) bei den „Blumen“ mitwirken durfte, erfüllt mich mit Stolz.

Wer sie jemals erleben durfte, kann mich verstehen, wenn ich sage: Ich wünschte, es gäbe mehr „Blumen“!

 

EINFLÜSSE:

SYMBOLSPRACHE DER BLUMEN:

Blumen finden bei religiösen und auch weltlichen Festen auf der ganzen Welt Verwendung und beinahe jede Religion und Kultur hat ihre eigene Blumensymbolik. Den Göttern wurden und werden Blumenopfer dargebracht und bestimmte Blumen bzw. Pflanzen werden je nach Religion bestimmten Göttern zugeordnet und sind ihnen heilig. Blumen spielen natürlich auch bei biografischen Festen eine wichtige Rolle und eine Hochzeit ohne Blumen ist auf der ganzen Welt undenkbar.


Nach der Mythologie der Sakai- oder Pygmoidenstämme auf Malakka wurden die Menschen aus Blumen erschaffen. Blumen können aber auch der Geburtsort von Göttern sein. So soll der altägyptische Sonnengott aus der Blüte der blauen Wasserlilie geboren worden sein.

Ein weit verbreitetes Motiv von Mythen und Legenden ist, dass dort wo Götter und Heilige den Boden betreten Blumen aus deren Fußspuren wachsen.


  • Aus den Fußspuren der griechischen Göttin Aphrodite entsprangen Blumen und Pflanzen
  • Aus denen von Jesus nach Volksglauben der Stechapfel

 

Ein weiteres Motiv ist, dass rote Blumen aus den Tränen oder dem Blut von von Göttern oder Heiligen entstanden bzw. diese Tränen den Blumen ihre Farbe gegeben haben sollen. Für dieses Motiv finden sich in der Religionsgeschichte zahlreiche Beispiele:

  • das Gänseblümchen soll nach Volksglauben aus den Tränen der Maria entstanden sein
  • das Blut des sterbenden Adonis soll der Anemone ihre Farbe gegeben haben und
  • das Veilchen soll aus dem Blut des Attis entstanden sein
  • der Weihnachtsstern entstand dem Mythos nach aus dem Herzblut einer unglücklich verliebten aztekischen Göttin
  • die Hyazinthe entstand nach der griechischen Mythologie aus dem Blut des Hyakinthos, der beim Diskuswerfen von Apollon getötet wurde.

Dem aztekischen Blumengott Xochipilli war ein eigener Hymnus gewidmet, den ihr in der englischen Übersetzung nachlesen könnt: Hymnus für den Gott der Blumen.


Flora war die römische Göttin der Blumen, Blüten und es Frühlings und hatte einen eigenen Priester. Ihr Fest, die Floralien dauerten in der Kaiserzeit vom 28. April bis zum dritten Mai. Die griechische Göttin Flora lebt heute in der Floristik weiter und ihr Name wird für die Gesamtheit der Pflanzen verwendet.


Im Hinduismus werden Götterstatuen mit Blumen geschmückt. Gelbe Blüten spielen zu dem hinduistischen Fest Vasant Panchami eine wichtige Rolle, wo sie der Göttin Saraswati geopfert werden. Zu Durga Puja ist der Lotus ein unverzichtbarer Bestandteil der Zeremonien und anlässlich des Geburtstags von Krishna werden seine Statuen mit Edelsteinen und den roten Blüten des Palasabaums geschmückt.


Die japanische Kunst des Ikebana hat sich aus dem Blumenopfer entwickelt. Blumenopfer sind generell weit verbreitet und man findet sie unter anderem im Christentum, Buddhismus und Hinduismus gleichermaßen.


Dem Granth, dem Heiligen Buch der Sikh, werden bei Zeremonien Blumen gestreut und am Hochzeitsmorgen sitzt die Braut vor einem Guru Granth Sahib und schmückt den Granth mit Blumengirlanden, bevor sie dem Vater ihres Gatten eine Blumengirlande überreicht.


Zu Schawuot, dem jüdischen Wochenfest, werden die Tora-Rollen und der Tora-Schrein sowie die Wohnungen mit Blumen geschmückt, um sich für die Ernte zu bedanken. Die katholischen Fronleichnamsprozessionen werden von Blumen streuenden Mädchen in weißer Kleidung begleitet.


Zu Allerseelen werden die Friedhöfe mit Blumen und Lichtern geschmückt und noch heute findet sich in manchen Regionen die Kräuterweihe (Festum Herbarum), die am 15.8 zu Mariä Himmelfahrt durchgeführt wird. Es werden Blumen und Käuter gesegnet und um die Verstärkung deren Heilkraft gebetet.


Auch bei den meisten Beerdigungsfeiern spielen Blumen und Blumenarrangements als Grabbeigabe eine wichtige Rolle und bereits die Neandertaler legten den Toten Blumen in die Gräber. So fanden Archäologen Hyazinthen und in dem Grab eines Neandertalers im Norden des Irak, der vor 60,000 Jahren dort beerdigt wurde. Koreanische Beerdigungszeremonien sind begleitet von weißen Chrysanthemen.


Aber täuscht euch nicht! Das Senden von Blumen zum Tod eines Menschen entspricht nicht in jeder Kultur der dortigen Etikette. Umfangreiche Blumenbuquets anlässlich von Beerdigungsfeiern werden zum Beispiel sowohl im Judentum als auch im Islam abgelehnt.


Auch bei der Anzahl der verwendeten Blumen, zum Beispiel wenn ihr jemandem einen Blumenstrauß schenken wollt, ist Vorsicht geboten. Während in Deutschland bei einem Blumenstrauß unter zehn Blumen eine ungerade Anzahl gewählt wird, gilt das Schenken eines Blumenstraußes mit neun Blumen als Symbol für Unheil. In China ist es übrigens ganz unüblich einen Blumenstrauß als Geschenk mitzubringen.

 

 

FRIEDRICH SCHILLER:

 Die Blumen

Kinder der verjüngten Sonne,
Blumen der geschmückten Flur,
Euch erzog zu Lust und Wonne,
Ja, euch liebte die Natur.


Schön das Kleid mit Licht gesticket,

Schön hat Flora euch geschmücket
Mit der Farben Götterpracht.
Holde Frühlingskinder, klaget!
Seele hat sie euch versaget,

Und ihr selber wohnt in Nacht’.


Nachtigall und Lerche singen
Euch der Liebe selig Loos,
Gaukelnde Sylphiden schwingen
Buhlend sich auf eurem Schoß.


Wölbte eures Kelches Krone

Nicht die Tochter der Dione
Schwellend zu der Liebe Pfühl?
Zarte Frühlingskinder, weinet!
Liebe hat sie euch verneinet,

Euch das selige Gefühl.


Aber hat aus Ranny’s Blicken
Mich der Mutter Spruch verbannt,
Wenn euch meine Hände pflücken
Ihr zum zarten Liebespfand,


Leben, Sprache, Seelen, Herzen,

Stumme Boten süßer Schmerzen,
 Goß euch dies Berühren ein,
Und der mächtigste der Götter
Schließt in eure stillen Blätter

 Seine hohe Gottheit ein.

 

 


UNSER MOTTO:

immer blumig bleiben . . .

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